Über uns

Uns: das sind einmal das Marionetten-Theater "Wieslocher Puppenstube", meine Frau Christina Reckers-Schneider und Ich.

Mit 19 wollte ich noch Musik studieren, erkannte aber bald, dass trotz eifrigen Übens irgend wo eine Grenze gesetzt ist, und es besser ist als Amateurmusiker einen sogenannten ordentlichen Beruf zu lernen. So entschied ich mich für Physik, sattelte aber nach dem Vordiplom auf Biologie um. Diese physikalische Neigung blieb während meiner ganze Forschungszeit erhalten, denn meine Frage war immer: "Wie funktioniert etwas?" Von meiner ersten Forschungsreise nach Java (1983), die hauptsächlich der Erforschung sozialer Probleme bei Ameisen diente, brachte ich einige Schattenspielfiguren mit. Zuhause hatte ich schon Yamadipatih, den Todesgott, dazu kamen jetzt drei weitere Figuren, so als Souvenir. Schon als Schüler hatte ich mich sehr für den Buddhismus und die indische Kultur interessiert. Der Traum, die indische und buddhistische Lebensphilosophie kennenzulernen, ließ sich verwirklichen, als ich 1966 den Auftrag bekam, als Dozent für Zoophysiologie an die Universität Kabul zu gehen und dort mit einem Kollegen im Rahmen der Deutschen Entwicklungshilfe ein Institut innerhalb der naturwissenschaftlichen Fakultät aufzubauen. Nun lag Indien vor der Haustür. Das Mahabharata, die Upanischaden und das Ramayana hatte ich ausgiebig studiert und war mit der indischen Mythologie bestens vertraut. Später in Deutschland gründete ich mit Schülerinnen das oben genannte Marionettentheater (1977). Bei einer Veranstaltung über Puppen mit Ormar Alt, 1978 ein erst aufstrebender Künstler, spielt ich erstmals eine Szene mit diesen Schattenfiguren und war überrascht über die Wirkung auf die Zuschauer. Dies sollte neben meiner wisssenschaftlichen Tätigkeit an der Universität Heidelberg (ab 1973) im Rahmen des Marionetten-Theater ein neues Beschäftigungsziel für die Freizeit sein: Schattenspiel mit original javanischen Figuren und eigenen deutschen Texten, dem roten Faden des Wayang Purwa (Mahabharata) folgend

 

Beerfelden Juli 2010

Mittlerweile sind es über 300 Figuren, fast alle aus der Hand von Meister Sihhanto aus Solo, ein Künstler, dem auch die Pflege aller Figuren im Kraton (Palast)

 

Hadiningrad in Solo anvertraut ist. Die Herstellung wird ausführlich unter dem link Spielfiguren beschrieben.

Meine Frau Christina ist Sozialarbeiterin und machte lange die Organisation für schwerstbehinderte Menschen.

Marionetten- und Schattenspiel faszinierten sie schon lange und so übernahm sie mit Begeisterung Rollen im Marionettenspiel, nähte Kostüme und unterstützte mich bei meinem Schattenspiel. Sie wählt die Musik aus, passend zu den Charakteren oder den Spielsituationen mit einem entsprechenden musikalischen Wiedererkennungswert, denn dem deutschen Publikum sind die Namen der Darsteller mehr als fremd. Wenn ich alles durchgeprobt habe (jede Figur erhält eine eigene Stimme, die live gesprochen wird), dann setzt sie sich vor den Schirm und verbessert und kritisiert mein so gut durchdachtes Spiel, das aus der Sicht des Spielers hinter dem Schirm ganz anders wirkt. So entsteht nach vielen Proben mit Verbesserungen an Stellung und Bewegung der Figuren, an Sprechweise usw. ein 2-3 Stunden dauerndes Stück. Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Arbeit in den Proben steckt, bis eine Stück aufführbereit ist, meist sind es 30 und mehr Stunden für eine solche Aufführung.

Während der Aufführung sitzt dann Frau Christina hinten, steuert Licht und Musik, schimpft mich schrecklich, wenn ich mich (wie leider viel zu oft) nicht an den vereinbarten Text halte und hilft mir, wenn zu viele Figuren agieren und passt auf, dass gespielte Figuren wieder an der richtigen Stelle postiert werden.

Ab September 2009 haben wir etwas geändert, etwas, was wohl einmalig in Deutschland, vielleicht sogar in anderen Ländern ist. Statt Gamelanmusik vom Band spielt nun Michael Zimmermann aus Berfelden live Gitarre.Für die Hauptpersonen, deren exotische Namen manchmal den Zuschauer ein Wiederfinden erschwert, spielt Michael Jazzthemen, die auf jede Person speziell zugeschnitten sind. Da alles live ist, kann er auch auf mein Spiel musikalisch reagieren und so das Geschen äußerst lebhaft gestalten bzw. untermalen.

Michael Zimmermann