Die Spielfiguren

 

 

Es sind starre, perforierte Flach figuren mit ein oder zwei beweglichen Armen. Für den Profi verwendet man nur Leder des Wasserbüffels, das gegerbt kaum durchsichtig ist. Dieses wird nach uralten Vorbildern so ausgestanzt, dass eine filigrane Durchbrochenheit entsteht, die eine solche Vollendung erreicht, dass es nicht mehr gesteigert werden kann. Mit feinen Meißeln wird die Perforation ausgearbeitet, wobei man sich vorstellen muss, dass eine kleine runde Öffnung allein vier Einstiche, kommaähnliche Muster, wie sie in den Locken von Haaren dicht aneinander gereiht sind, benötigen mehr als sechs Einstiche . Alle diese Figuren sind echte Kunstwerte. So haben Meister Sihhanto und seine Gesellen drei Monate mit je acht Stunden an meinem großen Gunungan gearbeitet.
Es bleibt aber nicht bei den Ausstanzen, denn danach beginnt ein weiterer künstlerisch noch schwieriger Teil: das beidseitige Ausmalen. Die Körper, Kleider, Waffen, Schmuckstücke und Konturen werden miniaturhaft bemalt. Mit einem 3-4 Haare-Pinsel werden feine Striche gezogen, die eine Farbe schattiert oder Umrisse deutlicher erscheinen lässt. Bei wertvollen oder für gut zahlende Interessenten bestellte Figuren wird die Grundfarbe, wenn sie „gold“ sein soll (z.B. Jugend) nicht mit Bronzefarben sondern mit Blattgold belegt. Solche Figuren strahlen auch nach Jahrzehnten noch einen weichen, starken Glanz aus, den die modernen Bronzefarben nie erreichen.

 

Satyawati, die Tochter des Fischers fährt mit ihrer "Prahu" einen heiligen Mann über den stark strömenden Fluß. Starre Figur, in die Personen gesetzt werden können. Spezialanfertigung ( 1,20 m lang, 0,60 m hoch)

Kopf von Kreshna mit hoher Krone, Garudavogel im Haar und Flügelornamente -- Die gleiche Figur, das Kleid mit feinen bogenförmigen Ausstanzungen.

 

Eine sehr wichtige Spielfigur ist der Gunungan, ein schild- oder blattförmige 75- 90 cm hohe kunstvolle Meisterarbeit. Die am Anfang, in Pausen, bei Szenenwechsel, aber auch symbolisch für Wellen, Sturm und andere Naturereignisse eingesetzt wird. Obwohl es sehr viele Varianten gibt, ist im Stille von Mitteljava meist eine Grundform ausgebildet. Aus dem Eingang zum Himmel, bewacht von zwei Wächtern, wächst der Lebensbaum. Die gesünder dieser Lebensbaum um so mehr Blüten, Blätter, Insekten und große Tiere sind zwischen den Ästen.

Ein weiblicher Gunungan. Tiger links der Angreifer, der Stier rechts der Verteidiger, darüber der Kalakopf. Um der Stamm windet sich eine Schlange. Die Tiere im Baum mit nur vier Ästen sind absolut symmetrisch angeordnet. Bei der Detailaufnahme von einem männlichen Gunungan sieht man von unten nach oben: ein Vogel und ein Pfau, darüber eine Biene und ein Affe, darüber wieder zwei Vögel, umgeben von Blättern und Blüten.

 

Die Herstellung

Die guten Hersteller benutzen nur die hart gegerbte Haut des Wasserbüffels. Wie das Bild der Details oben zeigt, werden die Muster mit feinen Meißeln ausgestanzt und anschließend miniaturhaft beidseitigt bemalt. So enstehen Spielfiguren, die Meisterwerke des Handwwerks darstellen.Der Meister skizziert vor und die Gesellen arbeiten selbstständig die Details aus. Das erste Bild zeigt die Herstellung meines Gunungan, die drei Monate dauerte. Das zweite Bild zeigt die Bemalung des oben in schwarz-weiß abgebildeteen Kahns "Prahu". Anschließend die Feinarbeit am Kopf eines Kreshna.